Mit Wurzeln und Flügeln | Die KMH startet ins Jahr 2022
- Die KMH startet ins Jahr 2022
- 7. März 2022
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Mai 2022
2022 ist da! Wir bei der KMH haben schon die Ärmel hochgekrempelt und freuen uns riesig auf die spannenden Projekte und inspirierenden Begegnungen, die uns im neuen Jahr erwarten. Doch bevor wir euch verraten, was uns – und EUCH! – noch alles bevorsteht, wollen wir einen kurzen Augenblick innehalten und zurückblicken. Auf all die wunderbaren, bereichernden, herausfordernden und inspirierenden Momente. Und auf das, was unser Team im letzten Jahr gemeinsam mit unseren Förderern, Kooperationspartner*innen und Besucher*innen auf die Beine gestellt hat.
Der Mühlenkiez – unsere Heimaterde
2018 hat die Kulturmarkthalle ihre ersten Wurzeln im Mühlenkiez geschlagen. Nun feierten wir unseren 3. Geburtstag – natürlich mit wundervoller Musik, einer farbenfrohen 3er Torte, einem fantastischen Buffet und großartigen Gästen. Wie ein Baum, den man voller Hoffnung pflanzt und hingebungsvoll pflegt, sind auch wir gewachsen und haben unsere Äste in alle Himmelsrichtungen gestreckt.
Im letzten Jahr hat sich unser Mitarbeiter*innen-Team vergrößert, aber auch unsere Bereitschaft, gemeinsam an Herausforderungen zu wachsen.

So sah die Halle ganz am Anfang noch aus. (Foto: Prenzlauer Berg Ansichten)
Denn 2021 war ein weiteres Jahr unter den Bedingungen der Corona-Pandemie. Auch bei uns im Verein waren nicht immer alle einer Meinung – und das muss ja auch nicht sein. Wir sind dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben. Denn so konnten wir noch einmal erkennen, welchen Wert eine Demokratie hat und was Meinungsvielfalt bedeutet. Wir haben gelernt, zuzulassen, auszuhalten und uns trotzdem auf Augenhöhe zu begegnen. So wuchsen wir im Austausch miteinander – und schließlich noch mehr zusammen.
Blühende Projekte
Mit neuen Initiativen, Projekten und Freiwilligen hat auch unser Netzwerk viele Blüten getrieben.
Nicht nur fruchtbar, sondern auch essbar wurde es im Rahmen des Pilotprojekts Deine, Meine Unsere essbare Stadt.
Das Projekt rund um Nachhaltigkeit, Gesundheit und Ökologie startete 2021 und ist auf 3 Jahre angelegt. Die schmackhaftesten Häppchen möchten wir euch kurz vorstellen. Allein beim Gedanken daran läuft uns das Wasser im Mund zusammen!
Essbare Vorgärten
Gemeinsam mit Kleingartenvereinen und Wohnungsbaugenossenschaften setzte sich unsere Öko-AG mit dem Thema Permakultur in der Großstadt auseinander. Inspiration holten sie sich unter anderem beim Permakultur-Garten Peace of Land - und packten natürlich auch mit an! Für alle, die sich für heimische Pflanzen und ihre Anwendung interessieren, konnten bei einer Führung im Peace of Land mehr darüber erfahren. Doch damit war es nicht getan. Auch vor unseren Fenstern sollte es sprießen: Die KMH bekam ihr eigenes Kräuterhochbeet. Ein großer Dank an Thomas, der das Beet gemeinsam mit dem Werkstattteam gebaut und mit schmackhaften Kräutern bepflanzt hat.
Salon für mondäne Unterhaltung
Wir sind eben Diven der Nachhaltigkeit – darum haben wir beschlossen, die Salonkultur wiederzubeleben – mit initiierten Gesprächsrunden und gemeinsamem Essen in der KulturMarktHalle.
Unsere Podiumsdiskussion zum Thema Nachhaltigkeit vs Konsumgesellschaft war ein wahres Fest mit hochkarätigen Gästen.
Dass aussortierte Lebensmittel noch lange nicht reif für die Mülltonne sind, hat Raphael Fellmer schon vor Jahren erkannt. 2017 gründete er Sirplus, einen (Online)shop für gerettete Lebensmittel. Über seine Vision sprach er auf unserem Podium mit Lisa Haarhoff vom Ernährungsrat und der Textilkünstlerin Dagmar Rehse. Diese klärte uns über den Kreislauf in der Fashion Industrie auf. Am Beispiel eines T-Shirts erfuhren wir alles über die Entstehung von Mode – von der Konzeption über die Produktion bis hin zu Vermarktung und Verkauf. Unser großer Aha-Moment: Das meiste Geld fließt ins Marketing! Weniger wäre da wohl mehr. Das fand auch der Aktionskünstler Fred Ute und teilte mit uns seine Gedanken zu Minimalismus.
Wir waren begeistert von so vielen tollen, neuen Impulsen.
Ist das Kunst, oder kann das recycelt werden?
Womöglich beides! Denn Nachhaltigkeit und Teilhabe waren auch die zentralen Themen unseres nah_bar_festivals 2021 (www.nahbar-festival.de). Zehn Tage lang haben wir uns gefragt, wie wir unsere Ressourcen nutzen und unsere Gewohnheiten hinterfragen können.
Ob im öffentlichen Raum des Mühlenkiezes, auf Spielplätzen, im Mühlenkiezpavillon oder auf unserer TinyHouse-Bühne im Garten der KulturMarktHalle - Inspiration ist überall, und oft auch gleich vor der eigenen Haustür.
Bei unseren Kieztouren erkundeten wir die Umgebung der KMH auf der Suche nach neuen Impulsen und Perspektiven für mehr Teilhabe und ein besseres Miteinander von Mensch und Natur.
Bekannte Gesichter gab es bei der Open-Gallery-Fotoausstellung „Kiezportraits“ zu entdecken. Nein, die Fotografinnen Delia Baum und Kathrin Leisch „knipsten“ keine Promis, sondern Menschen aus dem Kiez, denen wir auf der Straße, im Supermarkt oder beim Arzt begegnen.
Kreativ unter freiem Himmel ging es auch beim Streetart Workshop zu, hier konnten Teilnehmende sich inspirieren lassen und selbst mitgestalten.

Eines der tollen Portraits aus dem Projekt "Kiezportraits" von Kathrin und Delia
Nachdenklich stimmte uns die Lesung von Anna Mayr aus ihrem autobiographischen Buch „Die Elenden“. Anna Mayr ist als Kind von zwei Langzeitarbeitslosen großgeworden - ein Leben auf Hartz IV, mit Geldsorgen und dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Die, unsere Gesellschaft braucht Menschen wie sie, schreibt die Autorin. Als Abschreckung, damit die anderen wissen, dass es richtig ist, zu arbeiten. Mit ihr zusammen gingen wir der Frage nach, wie eine Welt aussehen könnte, in der wir die Elenden nicht brauchen, um dem Leben einen Sinn zu geben.
Unser großer Dank gilt unseren Förderern von „DraussenStadt“ und FEIN – freiwilliges Engagement in Nachbarschaften, die das Festival möglich gemacht haben.
Junge Sprossen in der KMH
Die Zukunft gehört der Jugend – das Unterschreiben wir sofort. Als Begegnungsort wollen wir Kindern und Jugendlichen aber schon im Hier und Jetzt einen Raum bieten, der Austausch und Teilhabe ermöglicht.
Darum hat unser Team Integration die Zusammenarbeit mit den Unterkünften in der Storkower Straße vertieft. Seitdem besuchen uns jeden Donnerstag Kinder und Jugendliche aus den Unterkünften in der KMH. Wir jubeln - nicht nur im Frühling: Hurra, die jungen Sprossen sind da!
Im Internationalen Workcamp, möglich gemacht über ICJA – den Freiwilligenaustausch weltweit e.V., haben 20 Jugendliche aus ganz Europa innerhalb von nur 2 Wochen ein TinyTiny gezimmert: Ein neues, kleines TinyHouse, das nun in der mobilen Stadtteilarbeit vielseitig zum Einsatz kommt.
Wir von der KHM und der Projektträger der mobilen Stadtteilarbeit Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH finden das einfach nur großartig!
Leben ist Wandel
Alles verändert sich, das gilt für die Jahreszeiten und auch für die KMH. Im letzten Jahr haben uns viele liebe Mitwirkende verlassen. Andere sind dazugekommen und bereichern unser Team.
Andrea war seit Ende 2018 bei uns. Das war unübersehbar, denn ihr riesiger Webstuhl stand mitten in der Halle an verschieden Plätzen. Alle konnten ihr dabei zusehen, wie sie an ihrem Berlin-Teppich arbeitete und wurde so Teil des Prozesses. Ihre langsamen Bewegungen am Webstuhl waren vielen ein schöner Gegensatz zum hektischen Treiben in der Halle. Die Zeit ihrer Künstlerresidenz haben wir sehr genossen. Denn Andrea webte nicht nur Garn, sie hielt auch das Miteinander zusammen und hatte immer ein offenes Ohr. Doch aus der Halle ist nicht aus dem Sinn. Vielen ist sie eine Freundin geworden. Ein Wiedersehen ist da vorprogrammiert!

Andrea Milde (Foto: Kathrin Leisch und Delia Baum für das Projekt "Kiezportraits")
Simone war von August 2020 bis Ende 2021 über den Integrationsfonds bei uns angestellt. In den Bereichen Personal, Finanzen und Prozessoptimierung war sie ein echter Profi. Von der soliden Struktur, die sie geschaffen hat, profitiert die KHM bis heute.
Ein internationaler Austausch brachte Tereza von August 2020 bis August 2021 zu uns. Ihre Impulse zu den Themen Minimalismus, Selbstexperimente/Challenges und Nachhaltigkeit haben uns sehr inspiriert. Genauso wie ihre Idee, eine KMH-Minimalistenrunde zu gründen. Unser Austausch, die Gespräche und Interviews, bei denen Tereza mitwirkte, werden uns in Erinnerung bleiben.
Holger war von Ende 2019 bis Juli 2021 Mitarbeiter der KMH. Bei Renovierungs- und Aufräumarbeiten brachte er sein handwerkliches Geschick ein. Doch auch seine musikalischen und künstlerischen Beiträge bleiben unvergessen. Wir denken ans nah-bar-Festival 2020 und ans KMH-Art-Spring-Wochenende 2021, die Holger sehr bereichert hat.
Auch wenn der Abschied uns schwerfällt, freuen wir uns sehr über neue Mitglieder, die ihren Weg in die KMH gefunden haben.
Bettina ist zu uns gestoßen und leitet nun den Malzirkel in der KMH. Musikalisch wird es mit Kathi, die die Leitung des KMH Chors innehat. In Micha haben unsere Tinyhouse-Mobile einen geschickten
und engagierten „Tinyhousewart“ gefunden. Und in der Werkstatt gibt es neue helfende Hände: Norbert, Heiko und Leon verstärken das Werkstattteam.
Money, Money, Money
Über Geld spricht man nicht, heißt es. Wir tun es trotzdem! Und zwar gern. Wir sind nämlich mächtig stolz darauf, dass unser verwaltetes Budget im Jahr 2021 gewachsen ist. Denn so konnten wir viele wunderbare und wichtige Projekte umsetzen!
Gleichzeitig wissen wir natürlich: Geld wächst nicht an Bäumen. Umso mehr freuen wir uns darüber, dass der Integrationsfonds uns für weitere 2 Jahre erhalten bleibt. Eine sichere Nummer war das keineswegs: Der Fonds, der zu unseren Hauptförderern zählt, sollte gestrichen werden. Gemeinsam mit der Berliner Integrationsbeauftragten, der Ulme35 – Interkulturanstalten Westend e.V. und weiteren Initiativen haben wir gekämpft und konnten das Weiterbestehen des Fonds sichern.
Doch wir haben auch ein wichtiges Learning für die Zukunft mitgenommen:
Unsere Basis-Finanzierung braucht eine Neuausrichtung. Hierfür haben wir bereits eine Strategiegrundlage erarbeitet, die in 2022 umgesetzt wird. Hierfür bekommen wir auch wertvolle Unterstützung aus dem Bezirk.
Wir hissen die Segel für 2022
Denn auch im neuen Jahr wollen wir gemeinsam mit Euch Großes bewirken. Ein Glück, dass durch unsere Räumlichkeiten immer wieder frischer Wind fegt!
So erstrahlt unsere Küche dank Thomas in neuem Glanz. Nach der Umgestaltung ist sie nun ein perfekter Koch- und Workshopraum. Das haben wir 2021 gleich mit zwei wundervoll schmackhaften KochWorkshops eingeweiht, die dank der FEIN-Förderung stattfinden konnten.
Der Putzteufel fegte auch durch den hinteren Bereich zwischen Büro und Werkstatt: das Mitarbeiterteam und ehrenamtliche Unterstützer:innen haben ihn gemeinsam entrümpelt und neu strukturiert.
Manchmal hat auch eine kleine Veränderung große Wirkung: Der Café-Tresen hat jetzt einen anderen Platz – das schafft Raum uns ist auch richtig gemütlich. Unser neuer Cafébereich ist schöner denn je!
Auch in 2022 werden wir weiter werkeln und gestalten, damit ihr (und auch wir selbst!) immer wieder gern unsere Insel im Mühlenkiez ansteuert.
Kurs auf neue Ufer
Das richtige Werkzeug parat zu haben ist wichtig – das gilt auch für den Berufseinstieg.
Mit dem Pilotprojekt LABORRAUM wird die KMH zum außerschulischen Lernort.
Hier können Schüler*innen der Willkommensklassen der Gustave-Eiffel-Oberschule ihr Miteinander stärken, Selbstwirksamkeit in der Gemeinschaft erleben und sich als wertvoller Teil der Gesellschaft erfahren.
Mit Marc Schneider von Generation iTrust knüpfen wir an das Projekt KiezRebellen an.
Im gemeinsamen Laborraum können die Schüler*innen zentrale Kernkompetenzen des Miteinanders erarbeiten und praktizieren – Fähigkeiten, die natürlich auch in der Berufswelt wertvoll sind.
Sie erfahren, wie intrinsische Motivation geweckt und unterstützt werden kann, trainieren einen eigenen Wertekompass und entwickeln ein nachhaltiges Mindset. So entwickeln die Schüler*innen soziale Kompetenz und Führungsqualitäten – und können selbstbewusst ins Berufsleben starten.
Text: Alexandra Friedmann
Comments